1.Törnbericht von Erich Bichlbauer über den Einhand – Segeltörn 2008 in Griechenland - von Korfu bis Palaiochora an der S – Küste Kreta’s


Hallo liebe Freunde!

Hier nun mein erster kleiner Bericht über meinen Einhand-Segeltörn 2008 mit der KIRLEKING, einer 13,8m langen S/Y vom Typ Maramu (Ketsch: 2 Masten) der französichen Werft AMEL.

Ich befinde mich gerade bei fast Windstille und ruhiger See an der S-Küste von KRETA auf der Fahrt ostwärts von Palaiochora nach Pto.Galini wo ich in ca.5 Stunden eintreffen werde. Demnach hab ich Zeit und Musse diesen Bericht zu verfassen und versuche auch an Hand nachstehender Karte meine bisherige Fahrtroute darzustellen.


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Heute ist der 2.5. und ich bin demnach 14 Tage unterwegs seit ich am 16.4. die Gouvia Marina auf Korfu verlassen habe. Der Wettergott war mir bisher grösstenteils gut gesinnt wenn ich von den mit 12 Grad recht erfrischenden Nächten während etwa der ersten 10 Tage nach Törnbeginn einmal absehe.
Sehr schöne Segeltage bei Sonne und günstigen Winden von etwa 15 bis 28kn ( etwa Bft 4-7) geniesse ich auf den Überfahrten von LEFKAS in den G.v.Petala von Pto.Kagio an die E-Seite von KITHIRA sowie weiter bis zu den GRAMVOUSAS – Inseln an der NW-Spitze von KRETA (jeweils zwischen 20 u. 28kn Wind aus dwars).
Nur auf den SYVOTA – Inseln sowie in Methoni muss ich wetterbedingt jeweils einen Tag abwarten. Auf SYVOTA ist es „Wind auf die Nase“ mit 18kn der mich zur Umkehr zwingt und in Methoni sind es schwere Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen verbunden teilweise mit dichtem Nebel.

In Nidri (LEFKAS) wo ich 3 Tage vor Anker liege um u.a. auch am Boot zu „basteln“, nehme ich mir einen Roller und besuche meine Freunde Hanni u.Richard aus Eben im Pongau in Preveza (40 km v. Nidri) die gerade ihr Schiff ins Wasser gelassen hatten. Auch mit meinen deutschen Freunden Frauke und Chris, die ein wunderschönes nun endlich ganz fertiggestelltes Haus auf der nahegelegenen Insel MEGANISI haben, treffe ich mich (so wie jedes Jahr) natürlich wieder.


In Katakolon verfolge ich von meinem naheliegenden Ankerplatz das Ein- und Auslaufen derKreuzfahrtschiffe, die die hier den Touristen die Besichtigung der naheliegenden Ausgrabungen von Olympia ermöglichen

In der Bucht v. Methoni

In Katakolon versenke ich durch Unachtsamkeit meinen Aussenborder (27kg) etwa zur Hälfte im Meer als ich ihn abends nach einem Tavernenbesuch hochhieve – wahrscheinlich war der letzte Ouzo doch „einer zuviel“!
Da ich ihn selbst nicht mehr in Gang bringe verlege ich anderntags die KIRLEKING in die noch sehr rustikal anmutende „Marina“ und mache per Taxi einen Mechaniker in dem 8km entfernten Ort Skourohori ausfindig, der sich sofort mit seinem Wagen zu meinem Schiff begibt, den Motor in seinen Kofferraum verläd und ihn nach etwa 2 Stunden repariert zurückbringt! Ich mache mich natürlich auf eine geschmalzene Rechnung gefasst, bin dann doch etwas erschrocken als er bei der Bezahlung 3 Finger zeigt, da ich das mit 300,-€ übersetze. Zögernd gebe ich ihm jedoch (vorerst...) 30,-€...!Er nimmt das Geld, wünscht mir gute Reise und fährt mit seinem Wagen davon....! Man erlebt hier doch fallweise auch sehr positive Überraschungen.
In Methoni mache ich Bekanntschaft mit einem französichen Ehepaar die mich dann in Pto.Kagio wo wir uns wieder treffen zu einem Abendessen auf ihrem Schiff, einem 42ft (etwa 13,5m) langen beinahe neuen und sehr schönen Katamaran der französischen Werft Pajot einladen.


In der Bucht v. Pto.Kagio

An der E-Seite v. Kithira

In Pto.Kagio mache ich auch wiederum meinen obligaten Fussmarsch von etwa 3 Stunden zum Kap Tainaron – der S-Spitze der Halbinsel Mani am Mittelfinger der PELOPONNES und geniesse dort in einer kleinen Taverne bei Ouzo und mariniertem Oktopus den schönen Blick auf die in der Ferne vorbeiziehenden Schiffe auf ihrem Weg ins W-liche Mittelmeer bzw. von dort kommend in den Saronischen Golf (Athen).
Mein Landfall an der E-Seite der Insel KITHIRA ist etwas stressig, denn als ich die praktisch einzige sichere Ankerbucht bei Avlemonas bei Wind von etwa 20kn aus dem N-lichen Quadranten anlaufe, ist diese mit kleinen Fischerbooten und diversen Bojen voll belegt, sodass mir nichts anderes übrigbleibt als in etwa 2sm Entfernung von der Bucht vor einem Felsvorsprung der einen langen Sandstrand begrenzt vor Anker zu gehen. Danach bin ich bzw. die KIRLEKING die ganze Nacht hindurch einem ordentlichen „Sandstrahlgebläse“ ausgesetzt...! Zusätzlich muss ich noch meine defekte Abwasserpumpe reparieren was mich beinahe 4 Stunden in Anspruch nimmt.
Der majestätische Anblick der Berge KRETA’S ist zwar beeindruckend, doch wird dieser wieder etrwas kompensiert durch den relativ starken Schwell auf meinem Ankerplatz bei den GRAMVOUSAS Inseln, der dafür sorgt dass für mich zeitweise „die Nacht zum Tag“ wird.


Annäherung an die NW-Spitze v. Kreta bzw. den vorgelagerten Gramvousas-Inseln

Am Ankerplatz an d. NW-Spitze Kreta’s

Nach dieser Erfahrung will ich am nächsten Tag in Palaiachora – mein erster Anlegeplatz an der S-Küste KRETA‘S - unbedingt in den Hafen einlaufen, da es in diesem Küstenbereich keine wirklich geschützten Ankerplätze gibt.
Nachdem ich bei achterlichem Wind von etwa 15kn und entsprechendem Wellengang die sehr schmale Hafeneinfahrt des kleinen Hafens passiere, will ich den im Hafenhandbuch verzeichneten Bereich für Sportboote ansteuern. Doch genau in der Einfahrt zu diesem habe ich plötzlich Grundberührung und sitze fest...! Nur durch „volle Kraft zurück“ komme ich wieder frei. Ich versuche es mit grösster Vorsicht noch einige Male an etwas anderen Stellen....aber keine Chance durchzukommen, obwohl in allen mir zur Verfügung stehenden Unterlagen keinerlei Erwähnung über eine Untiefe hier gemacht wird. Dann nähert sich mir ein Fischer an der Mole und bedeutet mir mich bei der Einfahrt ganz knapp an der Seite des rechten Molenkopfes zu halten – und so gelingt mir dann tatsächlich die Einfahrt wobei mein Echolot ständig „0“ anzeigt! Nikolaos, der mich eingewiesen hat, ist mit einer Burgenländerin verheiratet und spricht auch ein paar Worte deutsch. Etwas später setze ich mich zu ihm und einigen anderen Fischern in ein kleines Gebäude am Ende des einsamen – völlig von der nahegelegenen Stadt abgeschiedenen Hafens und lade ihn zu einem Bier ein. Ich bin hier das einzige Segelboot im Hafen.


Nikolaos (im gelben Jakett) der mich auf meinen Liegeplatz einwies und die anderen Fischer Im Hafen v. Palaiachora

Palaiachora (beim Abstieg v. d. Festung)

Der anschliessende Ausflug in die nur 10min entfernte Stadt (rund um eine Bergkuppe) ist heute – es ist der 1.Mai – beeindruckend. In den zahlreichen Café’s und auch auf der netten Uferpromenade tummeln sich viele Menschen – Touristen sieht man noch relativ selten. Eine Kapelle spielt so laut, dass man es beinahe in der ganzen Stadt wahrnimmt. Der eigenartige Stil der netten Kirche ist beeindruckend und von der Festung hat man einen schönen Rundblick.
Gegen 20 Uhr hab ich Glück und sehe gerade wie ein Beamter der Hafenpolizei in sein Büro geht das vorher geschlossen war. Ich hab meine Papiere mit und nun beginnt ein etwa ½ stündiges Procedere bis ich endlich meinen Stempel in den Papieren habe. Dabei stellt er mir 2x die Frage ob Österreich auch wirklich bei der EU ist...!
Beim Verlassen des Hafens heute um 0900 Uhr habe ich keinerlei Problem, da ich ja nun die
„richtige Fahrrinne“ kenne.
In den Mulden der hohen Gebirgszüge der Insel, die im Sonnenlicht an meiner Backbordseite vorbeiziehen liegt noch Schnee und es wird mir dabei immer wieder bewusst, dass ich schon ziemlich früh in der Jahreszeit unterwegs bin.

Von Galini aus will ich weiter nach E und nach Erreichen der E-Küste KRETA‘S nach N, durch die Inseln des DODEKANES, bis zur CHALKIDIKE fahren.

Liebe Grüsse,

Erich Bichlbauer

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