2. Törnbericht von Erich Bichlbauer über den Einhand - Segeltörn 2008 in Griechenland von Palaiochora an der S-Küste Kreta’s nach Pto.Carras auf der Chalkidike

Hallo liebe Freunde!

Meinen 1.Bericht verfasste ich auf dem Weg von Palaiochora zum Hafen Galini an der S-Küste KRETA‘S. Seither sind nun rund 7 Wochen vergangen und ich bin am 19.6. in der Marina Pto.Carras auf der CHALKIDIKE eingelangt. Nachstehend nun mein 2.Bericht über diesen Törn aber zu  allererst die Karte aus der die gesamte Fahrtroute seit meiner Abreise aus Korfu am 16.4. ersichtlich ist.


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Galini ist einer der ganz wenigen sicheren Häfen an der S-Küste KRETA‘S. Ich erreiche den netten Hafen bei schönem ruhigen Wetter und Chip, ein Engländer, hilft mir beim Anlegen. Als ich Chip und seine Frau am Abend zu einem Glas Wein auf mein Boot einlade erzählen sie mir ihre Leidensgeschichte. Sie liegen nun schon seit 10 Jahren mit ihrer 52 Fuss S/Y der italienischen Werft Comar in diesem Hafen. Vor 2 Jahren wurde ihr Boot im Hafen während eines Wintersturms entmastet.(!). Sie waren gerade in England und wurden des Unglücks gewahr als sie wieder auf’s Boot kamen! Volle 2 Jahre dauerte die Auseinandersetzung mit ihrer Versicherung bis diese den Schaden anerkannte. Der neue 24m lange Mast (!) liegt nun in England versandbereit und wird in etwa 2 Monaten hier eintreffen....! Einem Wasserhahn an der Mole kann ich Wasser – angeblich in Trinkwasserqualität – entnehmen und damit meinen Tankvorrat ergänzen.


Der Hafen Galini

Mein Ankerplatz vor der Stadtkulisse von Ierapetra

Nach einer Übernachtung in der wenig einladenden Bucht von K.Limenes die seeseitig von einem kleinen Inselchen das mit 4 riesigen Öltanks bestückt ist, begrenzt wird, fahre ich bei schönem Wetter weiter E-wärts nach Ierapetra , der grössten Stadt an der S-Küste der Insel. Es ist Sonntag der 4.Mai und endlich ist es so warm, dass ich mein erstes geruhsames Sonnenbad an Deck geniessen kann. Im Vertrauen auf meinen eingeschalteten Radar-Alarm verfalle ich in einen wohligen Dämmerzustand als plötzlich eine unruhige Bewegung durchs Schiff geht. Zuerst denke ich mir nichts dabei, da ich diese einem weiter entfernt vorbeifahrendem Schiff zuordne. Als jedoch das Stampfen nicht aufhören will, fahre ich hoch und sehe mich mit einer auf mich zukommenden von weissen Schaumkronen bedeckten und von Wind gepeitschten See konfrontiert. Ich hab gerade noch Zeit meine Liegestatt in die Kajüte zu verfrachten und mich anzuziehen bevor der eigentliche Wind mit gut 20kn über mich herfällt.

Ierapetra:

Im Yachthafen v..Ierapetra sind wegen der zahlreichen Riffe vor der Hafeneinfahrt Segelboote selten anzutreffen

Dimitri, der Eigentümer der bekannten Taverne „Zorbas“ ist stolz  auf  sein selbstgepresstes Olivenöl mit dem er schon  mehrere  internationale Preise gewonnen hat

Die Hafeneinfahrt von Ierapetra ist gespickt mit Unterwasserriffen und in den Pilots wird geraten für die Einfahrt die Hilfe eines ortskundigen Lotsens in Anspruch zu nehmen. Das habe ich nicht vor und lege die KIRLEKING in die weite Bucht direkt vor der Stadt vor Anker. Der starke Wind ist auch während der nächsten 2 Tage die ich hier verbringe mein Begleiter, doch liegt die KIRLEKING - als einzige S/Y weit und breit - trotz der mit Schaumkronen überzogenen Bucht bemerkenswert ruhig vor Anker und ich geniesse nach längerer Zeit wieder einmal ausgiebig das „Stadtleben“. Mehrere Male besuche ich die nette Taverne „Zorbas“ direkt an der Uferpromenade deren Besitzer Dimitri mit einer Innsbruckerin verheiratet ist. Dimitri, ein Computerfreak, gibt mir äusserst wertvolle Hinweise für ein mir bisher nicht bekanntes „Wetterprogramm“ (www.meteo.gr), dessen griechischer Teil gegenüber dem ebenfalls integrierten englischen Teil eine wesentlich bessere Beurteilung der Windverhältnisse erlaubt. Zu Fuss statte ich auch dem wenig einladenden Yachthafen einen Besuch ab und bin im Nachhinein  froh keinerlei Anstrengung unternommen zu haben diesen aufzusuchen. Ierapetra ist das Zentrum eines weitläufigen Gemüseanbaugebietes und ich nutze diese Gelegenheit ausgiebig für meine Bordversorgung. Als ich nach Verlassen von Ierapetra am 7.5. und Erreichen des SE-lichsten Teils der Insel meinen Kurs wieder stetig N-wärts richte fällt mir lamgsam ein Stein vom Herzen. Denn ich musste feststellen dass die S-Küste KRETA’S – ausgenommen die Häfen Palaiochora und Gallini – keinerlei Schutz vor stärkerem Wind aus dem S-lichen  Quadranten bietet und ich bin im Nachhinein natürlich froh vor einer solchen Situation verschont geblieben zu sein.

O.Zakrou an d. E-Küste Kreta‘s

Mein Ankerplatz in der weitläufigen Bucht

Blick aus d.Taverne.  Links im Bild ein auf Grund gelaufener Frachter

In der weitläufigen Bucht von O.Zakrou kommt in der Nacht sehr stark böiger Wind aus NW mit Spitzen von gut 30kn auf. Auch an diesem Ankerplatz verfolgt mich der starke Wind, aus für mich ungünstiger Richtung, sodass ich auch hier eine Pause von 2 Tagen einlege. Ich mach aber einen ausgiebigen Landausflug und gehe auch einige Male schwimmen was aber wegen der Wind- und Wassertemperatur jedesmal einen menthalen Ringkampf zur Überwindung meines inneren Schweinehundes erfordert.

„Drakula an Bord“....
Und dann passiert es....! Ich sitz am Freitag den 9.5. – wohlgemerkt es ist nicht der 13.(!) - gemütlich beim Frühstück in meiner Kajüte und beiß plötzlich auf einen harten Gegenstand der nicht Bestandteil meines Frühstücks sein kann. Ich saus sofort zum Spiegel und meine schlimmste Befürchtung bewahrheitet sich: „Drakula schaut mir entgegen....“! Die provisorische Porzellankrone meines noch kurz vor der Abreise eingesetzten Implantates (gleich neben den beiden Schneidezähnen!) hat sich selbständig gemacht – und ich hab sie noch dazu in 2 Stücke zerbissen...! Ich brauch ein paar Minuten um wieder klar zu denken, denn mit diesem Aussehen trau ich mich nicht einmal in die nächste Taverne, geschweige denn zu meinen Freunden auf der Chalkidike...! Dann weiss ich was ich tun muss. Ich mache mit meiner Kamera ein möglichst detailgetreues Bild meines Zahnes bzw. von dem was noch übriggeblieben ist, schick dieses per E-Mail an meinen Zahnarzt den ich vorab telefonisch avisiere. Etwa 15 Minuten danach ruf ich ihn wieder an. Er hat bereits mein Bild vor sich am Computer und ich bekomme von ihm das OK  meinen handwerklichen Künsten was das Kleben betrifft (darin wurde ich auf der KIRLEKING im Lauf der Jahre "Weltmeister") freien Lauf zu lassen  um den Stift, der wie der Eifelturm aus meinem Oberkiefer ragt, wieder zu komplettieren. Es würde hier zu weit führen auf meine diversen „Reparaturversuche“ näher einzugehen aber den endgültigen Durchbruch zum Erfolg erziele ich erst 10 Tage später(!) auf PATMOS nach Erwerb eines Mini-Bohrmaschinensets mit flexibler Welle das mir erlaubte die mittels einer Kombination aus einem 2-Komponenten – Epoxikleber, einem „Instant-Kleber“ sowie dem zugehörigen „Fill-Pulver“ in meinem Gebiss verankerte Krone mittels Diamant- und Polierwerkzeug wieder so zu formen, dass ich mich ohne Bedenken wieder in Gesellschaft wagen kann und auch beim Essen vor „unliebsamen Überraschungen“  zumindest bis zum heutigen Tag - immerhin sind es nun schon fast 4 Wochen her -  gefeit gewesen bin.

O.Tristoma an der N-Spitze d.Insel Karpathio

Die sehr enge Ein- bzw. Ausfahrt

Mein von karstigem  Felsgestein umgebener Ankerplatz

Auf Ankerwache....
Aber wie gesagt, soweit war‘s noch nicht als ich bei schönem Wetter und endlich einmal ruhiger See am 10.5. KRETA verlasse und zur kleinen unbewohnten Insel ARMATHIA (etwa 2sm NW der Insel KASOS) aufbreche weil mein griechischer Pilot angibt, dass es dort einige der schönsten Strände im Mittelmeer gibt. Als ich dort eintreffe, trübt sich das Wetter ein und es regnet zeitweise, sodass ich sicherlich auch wetterbedingt die Aussage meines Pilots nicht nachvollziehen kann. Ausserdem dreht der Wind in meiner Ankerbucht vor einem der Strände nachts gegen 0200h plötzlich unerwartet auf S und ich lieg plötzlich bei ca.15kn Wind  auf Legerwall  vor einer seitlich des Strandes angrenzenden Felsgruppe - und das noch dazu bei Regen. Ein Verlassen der Bucht in der Finsternis ist wegen einiger vorgelagerten Untiefen bzw. Riffe riskant wodurch ich das erste und einzige Mal auf diesem Törn zu einer Ankerwache verdammt werde.


Ansteuerung von O.Eriston an d.SW-Küste v.Tilos

Mein „Gemüse- und Früchtedepot“ im Vorschiff

Und so bin ich froh am nächsten Tag – trotz Nieselregen – entlang der unwirtlichen W-Küste der langgestreckten Insel KARPATHOS weiter nach N zu fahren und werde schliesslich belohnt  - als endlich die Sonne wieder durchbricht  - und ich in der grossteils von steilen Felshängen umgebenen und nur durch eine etwa 15m breite fijordähnliche Einfahrt mit dem Meer verbundenen eindrucksvollen Bucht O.Tristoma dieser Insel vor Anker gehen kann. Als ich dann am nächsten Tag die SW-Küste der Insel TILOS erreiche und in der weiten Bucht O.Eriston vor Anker gehe frischt der Wind aus N-licher Richtung wieder auf, sodass ich wieder einen „Ruhetag“ einlege. Nette Tavernenbesitzer erleichtern mir diese Entscheidung. Auch diesmal ist mir ein Besuch des netten Hafens Paloi auf  der Vulkaninsel NYSIROS wegen Baggerarbeiten im Hafen verwehrt und ich lass wieder einmal auf glasklarem Grund meinen Anker auf der „Bimssteininsel“ GYALOS (YALI) fallen. Auch hier muss ich – windbedingt – einen Ruhetag einlegen was mir in Anbetracht des schönen Ankerplatzes nicht allzu schwer fällt.

Die „Bimssteininsel“  Gyalos (Yali)

Der imposante Bimssteinabbau

Sonnenuntergang

Nachdem ich im vergangenen Jahr die Marina auf KOS besucht habe, umrunde ich diesmal die schmale E-Seite dieser Insel und gehe auf der N- lich von KOS gelegenen kleinen Insel PSERIMOS vor Anker. Der kleine Hafen dieser Insel der hauptsächlich von den Touristen lebt die von Ausflugsbooten aus KOS für Kurzbesuche von wenigen Stunden hier abgesetzt werden, bietet wenig Flair und abgesehen von einem längeren interessanten Gespräch mit einem englischen Ehepaar, das mit ihren beiden kleinen Töchtern von etwa 7-8 Jahren auf einer eigenen 52ft grossen schönen S/Y unterwegs ist, ist der Aufenthalt auch wegen der allseits m.o.w. deutlich zur Schau gestellten Gleichgültigkeit gegenüber Fremden wenig einladend.

Die Insel Pserimos

Die Bucht des kleinen Hafens

Die Kirche am Ortsrand

Ich hab mir vorgenommen von meinem nächsten Ankerplatz im O.Panteli auf der Insel LEROS aus, die die Bucht eindrucksvoll überragende Johanniterfestung zu erklimmen. Als ich jedoch dort ankomme begnüge ich mich mit einem kurzen Landgang und beobachte 4 ankommende Charteryachten die sich mühsam einen Platz zwischen Fischerbooten in dem wie von einem Parabolspiegel aufgeheizten kleinen Hafen ergattern. Es ist erstmals richtig heiss und ich „opfere“ definitiv mein ursprüngliches Vorhaben zu Gunsten einem ausgiebigen Bad im kühlen Nass der netten Bucht. Abends fahre ich jedoch in den etwas N-lich gelegenen Golf v. Alintas ein und esse in einer nahegelegenen Taverne.

O.Panteli auf Leros

Die Johanniterfestung u.die charakteristischen Windmühlen hinter dem Ort

O.Alintas auf Leros

Der Ort sowie die Festung von der anderen Seite

Der kleine Hafen in dem sich Charterboote drängeln




Mein beschaulich ruhiger Ankerplatz

Am Montag den 19.5. ist es endlich soweit – ich steuere mein lang ersehntes Zwischenziel – die für viele Griechen „heilige Insel“ PATMOS an wo ich wiederum in der schönen Grikou Bucht vor Anker gehe. Obwohl gerade stärkere S-Winde vorausgesagt sind, die mein Vorwärtskommen nach N natürlich sehr begünstigen würden, bleibe ich volle 8 Tage. Hier gelingt es mir wie schon berichtet mein „Zahnproblem“ zu lösen und ich fühle mich dadurch „wie neugeboren“! Auch führe ich einige Pflegearbeiten innen und aussen am Schiff durch wozu u.a. das Versiegeln des Kajütbodens, das Polieren der Seereling etc. gehören. Mehrmals besuche ich auch Skala, den Haupthafen der Insel und ergänze hier  meine Vorräte an Treibstoff und Wasser. Auch lerne ich auf der im S-Teil der Grikou Bucht gelegenen Werft Patmos Marine, Alwis , einen Wiener kennen der auf der Werft sein Boot seeklar macht. Alwis der seit mehr als 30 Jahren viel Zeit in Griechenland verbringt, spricht fliessend griechisch und ist für mich ein Mittelding zwischen Abenteurer und Geschäftsmann. Er führt organisierte Gruppenwanderungen u.a. in entlegenen Gebieten auf griechischen Inseln, in Kroatien oder sogar auch  in Wüstengegenden durch. Wir verbringen viel Zeit miteinander und er ist mir bei meinen diversen Einkäufen sehr behilflich, da er sich bestens auskennt und weiss wo man auch ausgefallenere Dinge die ich benötige, bekommt.


Mein Ankerplatz in d.Grikou Bucht auf Patmos


Das Johanneskloster aus der Nähe

Der Hauptort Skala Patmos mit dem Johanneskloster


Die Ankerbucht auf der Insel Agathonisi

Am 28.5. setze ich bei schönem und günstigen Wind aus dwars meine Fahrt N-wärts fort und werfe meinen Anker in der kleinen Bucht der Insel AGATHONISI. Hier esse ich in einer freundlichen Taverne mit Blick auf die kleine schmale Bucht bei stimmungsvoller Atmosphäre meinen besten und wahrscheinlich auch billigsten Fisch auf dieser Reise.

Pythagoreon auf Samos

Mein Ankerplatz vor der Aussenmole vor d.Stadt–aus NE


Das Pythagoras – Denkmal an der Aussenmole von Pythagoreon. Dahinter die vor der Mole (seeseitig) ankernden Yachten

Blick  auf den Ankerplatz  aus SW


Die erst vor kurzem (fast) fertiggestellte Marina auf Samos

Mein nächstes Ziel ist der Hafen Pythagoreon auf SAMOS den ich nach einer schönen und von gutem Wind begünstigten Überfahrt erreiche. Ich fahre jedoch nicht an die Hafenpier sondern werfe Anker ausserhalb des Haupthafens wie das auch viele andere Yachten tun. Das Wasser ist hier sauber und klar – ideal zum schwimmen – und mit dem Dingi bin ich in weniger als 5 min im Hafen der rundum von Tavernen und Café’s eingesäumt ist. Pythagoreon hat seinen Namen dem berühmten Philosophen und Mathematiker Pythagoras zu verdanken, der auch den pythagoräischen Lehrsatz schuf (s. Mathematikunterricht). Ich statte der nahegelegenen neuen Marina einen Besuch ab und bin von der schönen sauberen Anlage sehr angetan, wenngleich noch die meisten Gebäude leer sind. Aber das Restaurant und die sanitären Einrichtungen sind in Betrieb.Ich bleibe einen weiteren Tag und fahre dann entlang der S-Küste W-wärts in die Ankerbucht O.Limnionas. Diese Bucht hat für mich eine besondere Bedeutung, da ich hier vor 6 Jahren beinahe mein Schiff infolge heftiger Böen von bis zu 50kn (10Bft) in der Nacht verloren hätte. Einerseits war ich damals (ich war das einzige Schiff in der Bucht) auf so etwas nicht vorbereitet und andererseits war mein damaliges Ankergeschirr nicht ausreichend dimensioniert. Dieser Erfahrung Rechnung tragend gehe ich so vor Anker, dass , wenn wiederum Böen von der im N-seitigen Teil der Bucht steil aufragenden Felswand einfallen sollten, ich genügend freien Seeraum zur Verfügung habe um ausreichend Ankerkette ausfahren zu können.

O.Limnionas auf Samos

Diese gewaltige Felswand an der N-Seite der Bucht ist die Ursache für fallweise auftretenden Starkwind

Mein Ankerplatz in der Bucht

Der Wetterbericht betreffend Winrichtung ist weiterhin ungünstig, d.h. starker Wind aus N, sodass ich auch hier 2 Tage abwarten muss. Aber die Bucht, die nur von ein paar Tavernen gesäumt wird und an deren Strand sich nur wenige Touristen räkeln, ist angenehm ruhig und ich bin häufig an Land um ein wenig zu wandern.

Vor Anker bei Windstärke 9.....

Aber dann passiert’s. Am Nachmittag des 2.6. wird der Wind in der Bucht sukzessive stärker. Als die Dämmerung einfällt geht’s dann richtig los. Der Wind erreicht eine Stärke zwischen 30-40kn (Bft8) und in einzelnen Böen bis zu 45kn (Bft9) wobei neben der mit weissen Schaumkronen überzogenen Wasseroberfläche fallweise auch fliegendes Wasser in hellen nebelartigen Streifen  über die Wellenkämme fegt. Ich hab auf etwa 5m Wassertiefe sicherheitshalber 70m Kette ausgebracht und bin mir diesmal sicher, dass mir mein Jambo-Anker volle Sicherheit gewährleistet. Im Lauf der Nacht wird der Wind sukzessive schwächer und am Morgen – so wie beim letzten Mal - liegt die Bucht völlig friedlich da , so als ob nichts gewesen wäre....! Endlich am 4.6. kann ich meine Fahrt fortsetzen. Bei Wind zwischen 12 und 20kn komme ich mit dichtgeholtem Gross und Motorunterstützung gut voran als ich mich plötzlich auf Kollisionskurs mit einem „alten rostigen Öltanker“ befinde. Theoretisch müsste er ausweichen, da ich Segel gesetzt hab aber natürlich gehe ich in etwa 1sm Abstand zu ihm kurz über Stag um ihm zu verdeutlichen dass ich ihm ausweiche. Nach dem neuerlichen Umlegen laufen wir kurz danach in in weniger als 100m Entfernung auf entgegengesetztem Parallelkurs aneinander vorbei. Das Bild das sich mir dabei bietet werde ich nicht so schnell vergessen. Ich glaub fast die ganze Mannschaft – es sind lauter Dunkelhäutige (wahrscheinlich Pakistani oder Inder) ist auf der Brücke versammelt, schreien, johlen und winken mir unaufhörlich zu obwohl wir uns natürlich rasch aus den Augen verlieren. Ich bin so fasziniert, dass ich komplett vergesse ein Foto von diesem Ereignis zu machen...!

Eine unsanfte Grundberührung...

Der  kleine Hafen Emporio an der SE-Küste von CHIOS den ich danach anlaufe ist sehr seicht und ich habe in der kleinen Bucht nur etwa 0,5m Wasser unterm Kiel. Nachdem aber der ruhige Hafen gut geschützt ist, nehme ich das in Kauf. Am späten Abend jedoch schickt ein vorbeifahrendes Schiff eine grosse Welle in den Hafen und ich werde unsanft aus dem Bett geholt als der Kiel daraufhin zwei Mal auf dem – zum Glück - sandigen Grund aufschlägt. Danach verlege ich mich vorsichtig in die Hafenausfahrt auf etwas grössere Wassertiefe, was aufgrund des ruhigen Wetters möglich ist. Als ich am Morgen meinen Aussenborder und mein Dingi auf’s Boot hieve schauen mir die festlich gekleideten Kirchgänger (wahrscheinlich gibt es dafür einen lokalen Anlass – denn es ist ja nicht Wochenende) aus nur etwa 30m Entfernung von dem an der Hafenausfahrt liegendem kleinen Kirchlein interessiert zu.

Der Kapitän: Bei„schwerer Arbeit“ an Deck,  in flotter Fahrt mit dem Dingi und .beim eifrigen Berichte schreiben......!

Schon immer wollte ich die kleine Inselgruppe an der NE-Seite von CHIOS mit der Hauptinsel OINOUSSA besuchen, habe aber immer wegen der Nähe zur Türkei davon Abstand genommen. Diesmal  nehme ich bei schönem Wetter und günstigem leichten Wind Kurs auf die zu dieser Gruppe gehörenden Insel PASAS (PANAGIA) an deren SW-Seite ich auch einen idyllisch ruhigen und geschützten Ankerplatz in völlig abgeschiedener Umgebung vorfinde. Die umliegenden Inselchen sind alle grün bewachsen und bieten somit ein angenehmes Bild fürs Auge.

In militärischem Sperrgebiet....
Nachdem ich das Dingi ins Wasser gelassen und mit dem Motor versehen habe, begebe ich mich noch kurz in die Kajüte als ich plötzlich lautes Rufen von draussen höre: „Captan, Captan...“! Ich eile hinaus und sehe mich 2 dunkel gekleideten Polizisten in einem kleinen Patrouillenboot gegenüber die mir nach Kontrolle meiner Papiere freundlich aber bestimmt erklären, dass ich mich in militärischem Sperrgebiet befinde und dieses möglichst rasch verlassen muss....“denn sonst bekommen sie (die Polizisten) Ärger“! Natürlich sage ich das zu und verlege mich rasch in eine Bucht der nahegelegenen Insel OINOUSSA obwohl ich meinem schönen Ankerplatz natürlich nachtrauere. Die Polizisten kamen mit ihrem Boot von der etwa 5sm entfernten Insel CHIOS herüber und ich fragte mich natürlich wie sie von meinem Aufenthalt hier erfahren haben, da dieser aus der Richtung aus der sie kamen nicht einsehbar ist. Bald danach hab ich jedoch die Erklärung, als ich von OINOUSSA aus hoch auf einem Hügel von PASAS einen Wachturm erblicke von wo aus sicherlich eine entsprechende Meldung weitergegeben worden war...!


Die Ortschaft Sigri von meinem Ankerplatz aus gesehen

An der SW-Seite der Einfahrt in die Bucht v..Sigri befinden sich zahlreiche Untiefen u.Riffe die diesem Schiff offensichtlich  zum Verhängnis wurden

Bei etwas diesigem leicht bewölktem Wetter trete ich am nächsten Tag die Überfahrt an die rund 45sm entfernte W-Küste von LESBOS an. Mein Ziel ist die schöne Ankerbucht vor der Ortschaft Sigri die seeseitig durch die langgestreckte Insel NISOPI begrenzt wird und daher als gut geschützt gelten kann. Ich habe Glück mit dem Wind, denn auf etwa 30% der Strecke fahre ich raumschots bei etwa 15-18kn Wind aus S. Dann flaut er allerdings ab, doch die See ist ruhig, sodass ich eine gemütliche und rasche Überfahrt habe. Ich gehe an der E-Seite der Insel NISOPI vor Anker. Dieser schöne Platz der in seiner Ruhe nur durch das fallweise Gezeter der Möwen unterbrochen wird, gefällt mir so gut, dass ich noch einen weiteren Tag bleibe. Fischer teilen mir mit, dass man die auf dieser Insel in einem streng abgegrenzten Bereich vorhandenen „versteinerten Bäume“ nicht mehr besichtigen darf ...“it is closed“! Am Sonntag den 8.6. breche ich bei anfangs schönem Wetter und günstigem Wind von 12-18kn aus W zur 50sm NW-lich gelegenen Insel LIMNOS auf. Während der Fahrt zieht es jedoch zu und es beginnt fallweise etwas zu regnen. Als ich gegen 1600 in der grossen weiten fijordähnlich tief in die Insel einschneidende  Kondia Bucht vor Anker gehe, ist es jedoch wieder strahlend schön und es bleibt auch die folgenden Tage so. Ich bleibe 3 Tage und mache in dieser Zeit auch mehrere Ausflüge in die beiden etwa 3km entfernten kleinen Ortschaften. Ich entdecke dabei mehrere Maulbeerbäume mit weissen, violetten aber auch tiefschwarzen Früchten und stopfe dabei in mich hinein was nur geht, da ich diese Früchte über alles liebe.

Ein eindrucksvolles Landemanöver...
Es ist der 2.Tag in dieser Bucht, als etwa um 0930 – kurz nach meinem morgendlichen Bad im Meer - plötzlich mehrere Soldaten am Ufer genau vor meinem Ankerplatz erscheinen. Mittels meines Fernglases kann ich feststellen, dass sie untereinander heftig diskutieren und dabei immer wieder gestikulierend auf mein Schiff zeigen. Das lässt mir keine Ruhe und ich fahre mit dem Dingi zu ihnen. Nach meiner Landung, sagt mir einer von ihnen: „you must move – big ship is coming“....und deutet dabei auf’s Meer hinaus.


Ein interessantes Landemanöver...

Obwohl ich Vorrang habe ,lass  ich nat. diesem griechischen Frachter die Vorfahrt.Es wäre aber nett gewesen wenn der Schiff führer sich durch ein Zeichen von d. Brücke aus bedankt hätte....so wie die „Pakistani..“.!

Als ich mich umdrehe seh ich tatsächlich ein Kriegsschiff das sich bereits in der Einfahrt zur Bucht befindet und ganz offensichtlich Kurs auf meinen Ankerplatz hält. Obwohl mir dabei nicht ganz klar ist was so ein riesiges Schiff auf meinem nur etwa 6m tiefen Ankerplatz will, sause ich auf die KIRLEKING zurück, lichte raschest den Anker und verhole mich in die W-Seite der Bucht wo noch 2 kleinere deutsche Segelyachten liegen. Kaum hab ich das vollbracht, beobachte ich staunend wie das grosse Schiff weiterhin zielstrebig auf meinen ehemaligen Ankerplatz zuhält und letztendlich erst zum Stillstand kommt, als es den Bug in den Sand der Uferböschung gesetzt hat. Danach öffnet sich der geteilte Bug und auf einer grossen ausgefahrenen Rampe fahren in rascher Folge etwa 20 Militärfahrzeuge – darunter auch etliche schwere LKW’s mit Anhänger - an’s Ufer und verschwinden auf der sandigen Uferstrasse. Das ganze Manöver ist nach etwa 2 Stunden beendet und das Kriegsschiff verlässt wieder in gemächlicher Fahrt „meinen Ankerplatz“ auf den ich dann abends zurückkehre....und ehrlich gesagt, ich bin von dieser Aktion beeindruckt wobei ich allerdings sicher bin, dass man eine solche Landung hier nicht zum ersten Mal durchgeführt hat!


Die „Supermaramu“ meines Bruders bietet durch ihre Grösse deutlich mehr Platz als meine „Maramu“. Da er im Gegensatz zu mir meist mit Crew unterwegs ist, ist das u.a. natürlich. ein grosser Vorteil

Im S-Teil der Halbinsel Sithonia (Chalkidike) gibt es zahlreiche auch von der Strasse gut zugängliche grosse und kleinere – grossteils saubere - Sandstrände

Am 12.6. ist es dann soweit. Ich breche schon um 0630 zu meiner letzten grösseren Fahrt auf diesem Törn zur 53sm entfernten Halbinsel Sinthonia auf der CHALKIDIKE auf wo ich an deren E-Seite in der weiten Bucht O.Sikias vor Anker gehe. Hier treffe ich erstmals seit längerer Zeit wieder mit dem Schiff meines Bruders Rainer, einer „Supermaramu“ , ebenfalls von der gleichen Werft AMEL (F) wie meines - jedoch um 2,20m länger -  zusammen. Wir freuen uns, dass wir es „endlich wieder einmal geschafft haben“ uns mit unseren Schiffen zu treffen und verbringen die nächste Zeit bis zu meiner Abreise teilweise zusammen, wobei Rainer seine Zeit auch auf die Crew-Wechsel in der nahegelegenen Marina Pto.Carras entsprechend abstimmen muss. Nachdem ich 7 Tage in mehreren der schönen Buchten im S der Halbinsel SINTHONIA verbracht habe, fahre ich am 19.6. in die Marina Pto.Carras von wo ich am 24.6. meinen Flug nach Wien antreten werde. Damit habe ich diesen Törn beendet und werde erst wieder Ende August zurückkehren um mit der KIRLEKING wieder zu ihrem Heimathafen – der Spiros-Werft auf KORFUzurückzukehren. Ich war auf dieser Fahrt  65 Tage auf  See und habe 1.090sm (ca.2000km) zurückgelegt. Wieder  einmal bin ich dankbar dafür dass Schiff und „Mannschaft“ diesen Törn ohne nennenswerte Probleme so gut beendet haben und ich bin auch wieder dankbar  so viele schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen zu dürfen.

Liebe Grüsse
Erich Bichlbauer

Anmerkung für den Webmaster: Die „Aufnahmen des Kapitäns“ hab ich – bis auf die Aufnahme im Dingi, die von einem Crew-Mitglied vom Boot meines Bruders gemacht wurde – selbst gemacht. Ich hab’s im Logbuch vermerkt. Der Mattula war sicher nicht an Bord, weil ich ja immer die Gangway in den Häfen eingezogen habe. Es sei denn, er ist mir zu meinen Ankerplätzen nachgeschwommen.....!

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