SBL Tourstopp 2

In Velden lief's ja nicht so toll. Analysiert haben wir natürlich. Der "Spirit" soll schuld gewesen sein: Gesprächsthemen auf Autofahrten nicht genügend dem Segeln gewidmet, nach den Races nicht ausreichend debriefed, etc. Eine für mich äußerst unbefriedigende Erklärung. Ich glaube nicht an Geister. Man ist Erster im Ziel, weil man seine Schnürdlen und Pinne insgesamt besser bewegt als alle anderen. Man kann noch so lautes Kriegsgeschrei inszenieren, schneller wird man dadurch nicht. So habe ich das zumindest in den letzten Wochen mit Überzeugung vor dem Team argumentiert.

In Velden sind wir in drei Tagen fünf mal gepfiffen worden. Zwei mal beim Start, weil ein Gegner von hinten so knapp in unser Lee fuhr, dass eine Berührung aus unserer Sicht nicht mehr zu vermeiden war. Bei der Befragung der Jury wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht genügend klar angedeutet hätten, dass wir eh probieren würden anzuluven, es aber halt nicht ging.
Zwei mal mussten wir nach dem Start hinter die Linie zurück. Und wenn wir gerade nicht zu früh gestartet sind, waren die Starts auch eher mäßig.
Wirklich schnell oder hoch waren wir nicht. Und meine Wenigkeit hat des Öfteren für die Gegner taktiert, statt für uns.

Aber genug der Ursachenforschung. Team-Konstellation Attersee Codename "Familienbomber". Xandy, Angelika, Calvin und Consti. Consti war diesmal kaum als Jurist eingesetzt, dafür vielmehr als Familientherapeut.

Die Regatta fing mit einem Ersten an. Alle Probleme gelöst? Nein. Es ging durchwachsen weiter: 5, 5, 4, 4. Dieser Geist schon wieder.
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© Segelbundesliga


Schwalben am Wasser

Eines war klar: Pfeifen lassen wir uns an diesem Wochenende nicht. Fünf mal reicht für zwei Saisonen. Dafür hat sich Xandy an der Fußballbundesliga ein Beispiel genommen und das Schwalben vor dem Spiegel geübt. Es kam wie es immer kommt: ein Boot beim Start fährt uns viel zu knapp ins Lee, fällt dann ab und dreht uns sein Heck ins Boot. Xandy deutete mit unschuldigen Rehaugen völlig betroffen und hilflos aussehend auf sein nach luv eingeschlagenes Ruder. Die Jury pfeift die anderen! Jetzt wissen wir also wie's geht.
Ähnliches ist Xandy auch bei einer Wettfahrt gelungen bei der nach der Luv der Wind so eingeschlafen ist, dass wir ohne Druck auf ein Lee Boot getrieben sind. Zu sehen hier... . Xandys entsetztes "Ihr steht's mit Gennaker im Wind und luvts an!?" hat die Konkurrenz so verunsichert, dass sie nicht einmal protestiert haben.
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Vorschlagsansagen

Angelika macht Vorwindtaktik, weil sie kann Vorwindtaktik - und zwar richtig gut. Was Angelika nicht kann ist mit dominanter, tiefer, selbst überzeugter Stimme eine Halse zu verlangen. Ansagen auf einem Boot macht man nämlich am besten mit einer gewissen Dringlichkeit im Tonfall. Die Art von Dringlichkeit die für Diskussionen keinen Raum lässt. Am zweitbesten macht man sie in einem desinteressierten, rationalen Tonfall der alle in die Ausführung des Kommandos hypnotisiert. Am schlechtesten sind Ansagen wenn sie keine Ansagen sind, sondern Vorschläge. "Wir könnten jetzt Halsen". "Jo eh, könnt ma immer.". Man stelle sich nun den großen Bruder vor der sich von der kleinen Schwester was sagen lassen muss und dazwischen steht der Freund. X: "Angelika auf welches Gate willst du?". A: "Weiß ich nicht". Ca: "Wenn du Halsen willst dann sag bitte einfach 'Halse!'". A: "Ich weiß nicht. Was denkst du?". Ca: "Keine Ahnung ich schau nur ins Segel". X: "Auf welches Gate willst du?!". Stille. A: "Wir könnten überlegen jetzt zu Halsen". Ich weiß leider nicht mehr ob wir jemals gehalst haben. Vielleicht haben wir auch als Kompromiss das Gate Butterfly angesteuert.
Consti hat sich hier als Ruhepol der Mannschaft herauskristallisiert und im Nachgang erfolgreich den Familientherapeuten gemacht. Die Ansagen wurden gegen Ende des Events hin etwas knackiger.
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Wer ist der Engel?

Normalerweise ist Jakob dafür zuständig, dass wir rechtzeitig zu unseren Races am Wasser sind. Der lernt nämlich zu Beginn des Events innerhalb weniger Minuten die gesamte Tabelle mit unseren Rennzeitpunkten auswendig. Dann muss keiner mehr den lästigen Zettel herumtragen.
Consti hat das am Attersee übernommen und uns des Öfteren mit von Jakob inspirierten Auswendiglernversuchen unterhalten. Zweieinhalb Tage lang waren wir auch rechtzeitig am Wasser.
Am Samstag hat Constis Freundin Bea den Weg zu uns gefunden. Das Ankunftstiming war eigentlich perfekt. Fünf Races Pause, mehr als eine Stunde.
Consti war also irgendwo am Clubgelände in Gesprächen vertieft und trotz Sonnenbrille sichtlich geblendet.
Wir drei haben es uns inzwischen im Feuerwehrzelt gemütlich gemacht. Nach einer gefühlten Ewigkeit fragt Xandy dann: "Sag ich bin nervös. Schau mal ob wir nicht bald drann sind.". "Na na der Consti macht das". "Na geh bitte schau". Ich schaue. "Da steht: 'YCP is racing'". Unmöglich! YCP is sitting in the Feuerwehrzelt. Alles läuft. Wir schnappen uns irgendein Motorboot und schaffen es noch rechtzeitig zum Start. Wer in dieser Geschichte der Engel ist muss der Leser entscheiden.
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Aggressionsprobleme

In Velden hatten wir mal die Möglichkeit, jemanden ins Startschiff zu luven. Auf meine Ansage "Luv ihn ins Startschiff!" bekam ich ein "Das bin ich einfach nicht" als Antwort. Theos jahrelange Abwesenheit am Schiff hinterlässt also Spuren. Am Attersee spritzen wir dem Spirit, also Testosteron. Es wirkt. Bei den Starts sind wir aktiv statt reaktiv. Wir beginnen endlich mal den anderen ins Lee zu fahren, statt immer selbst darauf zu warten, bis uns da einer rein fährt.
Ein aufflackern pazifistischer Gedanken gab es aber gegen Ende noch: Bei einem der letzten Starts des Events verlange ich einen Start ganz links. Unser Steuermann wies uns dann darauf hin, dass das nicht so eine gute Idee sei, weil dort wäre der Vorjahresmeister dann bestimmt schon positioniert. Das haben Angelika, Consti und ich dann bei zwei Minuten dreißig gaaaanz schnell abgefrühstückt. "Wie wärs wenn wir dem einfach drüberbrezeln?". "Na gut." Das hat dann auch funktioniert. Start gewonnen, Danke Erster. Vielleicht gibt's diesen Spirit ja doch?

Insgesamt wurden wir fünfter. Befriedigend, aber wir wollen mehr. Achensee wir kommen!
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